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MEHR ALS NUR SCHÖNHEIT

Sofia Ghasab im Interview

Hinter der Erfolgsgeschichte von Beauty-Spezialistin und Influencerin Sofia Ghasab steckt weit mehr als nur gutes Aussehen. Im Interview spricht sie mit uns über ihre Migration nach Deutschland, ihre Verantwortung als Ausbilderin in ihrer eigenen Akademie und darüber wie es ist, auf der Straße erkannt zu werden.

Sofia, Du bist schon mit 15 als Flüchtling mit Deiner Mutter aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Wie hast Du diese Zeit erlebt?

Ich hatte eine ganz normale Kindheit. Wie alle Kinder, die glücklich ihre Zeit zu Hause mit ihren Familien, in ihrer Heimat verbringen und die Schule ganz normal besuchen. Bis ich dann nach Deutschland flüchten musste. Und da hat die Geschichte angefangen. Es war natürlich für mich sehr schwer, das alles hinter mir zu lassen. Meinen Vater und meine Geschwister, meine Oma, meinen Onkel und meine Tante, meine Freunde, meine Schule, meine Sprache… Und das als Teenager, wenn man es sowieso schon schwer hat. Man ist in der Pubertät, hat mit sich Probleme und dann wirst Du komplett aus Deinem Zuhause und weg von Deiner Familie gerissen. Dann kommst Du in ein fremdes Land, wo Du nicht einmal die Sprache kennst. Wo Du Dich nicht verständigen kannst, keine Freunde hast, die Welt nicht verstehst und Dich total verloren fühlst. Du musst erstmal lernen, wer Du bist. Du musst lernen, was Du willst oder am besten gesagt: Du musst Dich finden. Damit hatte ich zu kämpfen.

Du hast die Sprache erwähnt. Wie schwer war es für Dich, Deutsch zu lernen? War es eine große Herausforderung?

Ist es immer noch! (lacht). Deutsch ist eine schwere Sprache.

Du sprichst auch sehr gut Türkisch, obwohl es nicht Deine Muttersprache ist. Stimmt es, dass Du diese Sprache durch das Schauen von Serien gelernt hast?

Das stimmt tatsächlich. Da wo ich herkomme, wird auch Alttürkisch gesprochen. Aserbaidschanisch nennt sich das. Und Aserbaidschanisch ähnelt Türkisch. Wir haben auch immer türkisches Fernsehen bei uns zu Hause geschaut. Man hat es zwar am Anfang verstanden, aber man konnte die Sprache nicht sprechen. Dann bin ich nach Deutschland gekommen und hatte dort sehr viele türkische Freundinnen. Dadurch war ich ein bisschen gezwungen, Türkisch zu sprechen, auch weil ich die deutsche Sprache nicht gut konnte. Das hat super geklappt und meine Sprache hat sich dadurch verbessert. Aber irgendwann habe ich gemerkt, das reicht nicht aus. Wenn man in Deutschland lebt, sollte man die deutsche Sprache können. Natürlich habe ich hier die Schule besucht – es war nicht so, dass ich gar nichts konnte. Aber ich habe mich auch ein bisschen gewehrt, glaube ich. Ich wollte es nicht annehmen. Ich wollte nicht ankommen. Ich hing noch an meinem Land, ich hing noch an meiner Sprache. Das war so eine Trotzreaktion von mir. Ich habe das die ganze Zeit …

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